Samstag, 31. Dezember 2011

Silvester

und was ist anders?

Ich hatte ein bisschen Angst vor diesem Tag.
Er ist für mich noch enger mit meinem Soldaten verbunden als es Weihnachten ist.
Silvester allein. Da helfen nicht einmal die Kinder; sie schlafen schon.
Nun sitze ich hier, trinke einen 1,99 € Bio-Tempranillo aus dem Supermarkt (kann doch irgendwie nicht mit rechten Dingen zugehen...) und finde es hier eigentlich recht gemütlich.
Was ist anders?
Beim Einkaufen heute früh war es etwas voller als sonst, die Baguette waren vorbestellt und die Berliner gingen weg wie warme Semmeln.
Gegen Abend wurde mit einem feierlichen "Kinderpeng" das neue Jahr begrüßt (möglicherweise war Samoa um die Zeit schon so weit...) und anschließend etwas besser gegessen als üblich. Und Wein gabs dazu...
Ein kurzes Telefonat mit meinem Soldaten, uns einen guten Rutsch gewünscht.

Danach Kinder runtergefahren, Abendtoilette und ins Bett gebracht.
Und nun Ruhe. Durchatmen. Wein trinken. Und ab ins Bett.
Ich denke 2012 wird das erste Jahr sein, in das ich hineinschlafe.
Keine Lust zu feiern oder auch nur vor die Tür zu gehen, wenn die Glocken läuten.
Dennoch freue ich mich, denn ab morgen kann ich sagen: "Diesen Monat kommt er wieder."




Zum Ende dieses Jahres möchte ich mich bei euch bedanken, bei euch Lesern und besonders bei denjenigen, die Kommentare geschrieben haben oder mir über FzF gemailt haben.
Ihr habt mir durch die letzen Monate geholfen! 
Ihr habt mir Mut gemacht und mit jedem Wort gezeigt, dass ich nicht allein bin. 
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mich das unterstützt hat.
Danke!

Ich wünsche euch ein schönes, friedliches Jahr 2012 
mit vielen gemeinsamen, glücklichen Momenten!
Genießt jeden Augenblick!

Alles Liebe!

Euer Mausohr.


Übrigens:
Meine Heimatfront hat zum Ende dieses Jahres Zuwachs bekommen: Eine neue Seite mit dem Titel Heimatmelodie. Ich würde mich freuen, wenn ihr einmal "umblättert"! :





Donnerstag, 29. Dezember 2011

Vorbote

Heute bereits ein leichter Vorbote der baldigen Rückkehr des Soldaten. Gut, es sind doch noch einige Wochen, aber irgendwie packte es mich.
Mein Auto.
Selbst das tollste Gefährt hält es anscheinend nicht aus monatelang rumzustehen.
Beim Druck auf den Schlüsselknopf passierte erstmal nicht. Schlüsselbatterie gewechselt. Trotzdem nichts. Also Auto manuell aufgeschlossen und auf die Alarmanlage gewartet. Ein flüsterndes, heiseres Jaulen ertönte. Und dann nichts mehr. Auf dem Lenkrad Schimmelspuren. Schlechtes Gewissen bei mir.
Anlasser? Null. Kein Ton.
Ich interpretierte das als akuten Anfall von Zurückweisung, Eingeschnapptsein, Trauer... 
Ladegerät. Nix.
Autodoktor geholt. Operation.
Nun warten wir aufs Ersatzteil.

Immerhin hatte ich zwischendurch Zeit das Soldatenauto zu säubern. Eine Profi-KFZ-Reinigung als Weihnachtsgeschenk hätte durchaus Sinn gemacht. Werde ich mir fürs nächste Mal vormerken...


Dienstag, 27. Dezember 2011

Überstanden

ist Weihnachten. Mit all seinen "getrennten" Momenten, den lustigen und den traurigen, die ich ohne meinen Soldaten hier bei mir, erlebt habe. Im Nachhinein war es nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte. Auch beim letzten Einsatz musste ich Weihnachten allein feiern. Damals noch ohne Kinder, hatte ich viel zu viel Zeit zum Nachdenken und Traurigsein. Das reduziert sich mit zwei Kindern enorm ;)
Trotzdem gab es auch diesmal diese vielen schönen Momente, die gleichzeitig traurig machen, weil man sie nicht gemeinsam erleben kann.

Montag, 26. Dezember 2011

Weihnachtstag II

war erheblich schöner als der erste Weihnachtstag. In unserer Familienrunde waren wir Essen. In dem Lokal, in dem wir unsere Hochzeit gefeiert haben. Im selben Raum, auf dem selben Sofa. Nur heute saß neben mir nicht mein Soldat. Man könnte meinen, das wäre ein Anlass für schwere Wehmut. Aber es war gar nicht so, denn ich habe mich einfach nur wohl gefühlt an diesem Ort, an dem wir schon so schöne Stunden zusammen verbracht haben. Und nächstes Jahr, so habe ich mir vorgenommen, sitzen wir dort wieder gemeinsam!

Sonntag, 25. Dezember 2011

Weihnachtstag I

Frühstück bei meinen Eltern. Mehr sollte ich eigentlich nicht schreiben.
Wie fühlt man sich, wenn man zum Frühstück geladen ist, während die Gans im Ofen brutzelt? Wenn die eigene Schwester samt Familie zum Mittag kommt und es den eigenen Eltern nicht einfällt, dass es zu  Weihnachten ganz schön wäre, wenn die Familie ausnahmsweise mal zusammen wäre? Aber nein, da habe man ja gar keine Ruhe. Mit drei Kindern, nein...Will das jemand? Geht es zu Weihnachten um Ruhe? Haben sie das nicht jeden Tag? Ich hätte einfach gerne meine Schwester und ihre Familie gesehen und mir dabei eingebildet, es wäre wie früher.
Immerhin wurde ich zum Resteessen eingeladen. Irgendwann nächste Woche. Falls noch etwas übrig ist von der Gans. 
Ich mag nicht mehr hinfahren. Es ist zu anstrengend den Schein zu wahren und so zu tun, als wäre es normal, dass sie sich nicht nach meinem Soldaten erkundigen, nicht mehr fragen, wie es ihm geht. Nicht mehr fragen, wie es mir geht. 
Es schmerzt, wenn man seine eigenen Eltern nicht mehr versteht, nicht mehr redet und keinen Weg mehr zueinander findet. 

Samstag, 24. Dezember 2011

Heiligabend

war gar nicht so schlimm. Es war schön. Krippenspiel gucken in der Kirche, Weihnachtsmann suchen mit  den Knirpsen, leuchtende Augen vor dem Tannenbaum, Weihnachtslieder singen, Geschenke auspacken.  Schön! Dank meinen Schwiegereltern, meiner Schwägerin und Freund, meinen Kindern und einer "Liveschaltung" zu meinem Soldaten.
Fast so, als wäre er hier.
Aber nur fast, denn nun schlafen die Kinder, alles ist ruhig und ich sitze hier allein.
Aber auch das schaffe ich.
Wenn mir nicht die Augen zufallen, begleite ich gleich noch George Bailey und seinen Engel.
Ist das Leben nicht schön?
Ja, das ist es.
Und in knapp 40 Tagen ist es noch schöner.
Gute Nacht und schöne Weihnachten!

Freitag, 23. Dezember 2011

Weihnachtsbaum

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr keinen haben. Lohnt sich nicht, habe ich mir gesagt, da wir die meiste Zeit bei meinen Schwiegereltern sein werden und auch die Bescherung dort sein wird. Warum also die Arbeit? Um abends allein neben dem Baum zu sitzen? Nein.
Ehrlich, ich habe ihn auch nicht vermisst. War vollkommen in Ordnung für mich.

Nachmittags standen zwei Freundinnen und ein Knirps mit roten Weihnachtsmann-Mützen vor meinen Tür. Mit einer Schubkarre voller Weihnachtsbaum, Waffelteig und Apfelpunsch.
"Wir haben uns gedacht, ohne Weihnachtsbaum geht das gar nicht!"

Wenn ich das hier schreibe, bin ich immer noch so gerührt, dass ich dabei weinen muss. Ich habe mich so über diesen Baum gefreut!

Das war so eine schöne, liebe und einfach weihnachtliche Geste - eines Lord Fauntleroys würdig. ;) Einfach toll!
Habe ich großartige Freundinnen! Danke!

Nun kann Weihnachten wirklich kommen und ich bin sogar ein bisschen in Weihnachtsstimmung!
Und um mit den den Worten des kleinen Lords zu schließen: "Und allen Menschen überall: Ein frohes, gesegnetes Fest!"
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

3 Teebeutel


für 3 Tage...

Nr. 22 trinke ich gerade.
3,
2,
1.
Heiligabend,
Weihnachten,
Sylvester
und
dann ist es gar nicht mehr lange!


Mittwoch, 21. Dezember 2011

Gesehen

habe ich meinen Soldaten! Zwar nur im Film, aber ich habe mich gefreut, wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum. Ziemlich gefühlsduselig habe ich vor Freude geweint...man, bin ich eine emotionale Kuh. ;)

Dienstag, 20. Dezember 2011

Weihnachtsstimmung II

Nachdem ich nun gerade Colin Firth's Liebeserklärung in "Tatsächlich Liebe" geguckt habe, kommt vielleicht doch ein kleines bisschen Weihnachtsstimmung auf...
Jetzt noch "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", "Der kleine Lord" und zum Abschluss "Ist das Leben nicht schön".
Vielleicht klappt's ja dann doch noch mit der Weihnachtsstimmung...

Weihnachtsmarkt

mal nicht auf dem Dorf, sondern heute mit zwei Freundinnen in der Stadt.
Schön wars!
Sozusagen Technischer Dienst für Mutti: Antrieb funktioniert jetzt wieder.
Ein wenig Glühwein trinken, viel quatschen und ein paar schöne Kleinigkeiten sehen und kaufen.
Weihnachtsstimmung hat es nicht gebracht, aber das stört mich, ehrlich gesagt,
dieses Jahr auch nicht so sehr.

Weihnachtsmann und Christkind?
Auf sie!
Mit Gebrüll!
;)

Schnee!



... wenigstens ein bisschen.

Montag, 19. Dezember 2011

Antriebslos

beschreibt im Moment meinen Zustand recht gut. Eigentlich möchte ich hier einfach nur auf dem Sofa liegen und nichts tun und denken. Leider kann ich mich schon nicht mehr daran erinnern, wann ich das das letzte Mal getan habe. Doch, ja im Spätsommer hatte ich einmal 2 Stunden frei und habe einen meiner Lieblingsfilme geguckt. Einfach so. Zuhause. War herrlich.
Aber im Moment ist so etwas tagsüber nicht drin und abends bin ich zwischen "Ich will schlafen!", "Ich muss noch so viel erledigen!" und "Genieß die Zeit ohne Kinder!" hin und her gerissen. Bis zu Letzterem kommt es meist nicht, weil ich vorher todmüde einschlafe.
Und so ist momentan einfach die Luft raus.
Weihnachten und Sylvester sollen endlich vorbei sein,
damit ich mich an die letzten paar Dezimeter meines Einsatzmaßbandes machen kann.

Sonntag, 18. Dezember 2011

Weihnachtsstimmung

will hier nicht aufkommen. Eigentlich ist es noch schlimmer, denn ich habe überhaupt keine Lust Weihnachten zu feiern. Dennoch sehne ich es herbei, will es hinter mich bringen und die Bescherung abarbeiten. Dann wird wieder eine Woche vergangen und ich dem Wiedersehen 7 Tage näher sein.
Ich bemühe mich schließlich, dem Ganzen auch Positives abzugewinnen...

4. Advent
















und die Advents- und Weihnachtsstimmung
geht gegen Null.


Freitag, 16. Dezember 2011

Weihnachtspaket

Heute habe ich das Weihnachtspaket auf die Reise geschickt. Ich bin gespannt, ob es noch rechtzeitig ankommt, aber wie bereits berichtet, kommt Weihnachten für mich immer etwas "überraschend".

Es war ein beklemmendes Gefühl, das Geschenk einzupacken und die richtigen Worte für die Karte zu finden. Ein erneutes Anklopfen, dass mir sagte: Wir feiern Weihnachten nicht gemeinsam, er wird nicht hier sein. Alles schon lange bekannt, alles klar und doch versetzt es mir immer wieder einen Stich und macht mich traurig. Und dieses Geschenkverpacken und Karteschreiben machte es wieder so verdammt real, wie ich es manchmal einfach nicht haben möchte.

Ich habe ein bißchen geweint, aber auch aus Freude, weil ich ein so schönes Geschenk habe.

Furchtbar sentimental... liegt vielleicht am Wetter.

Wenn man gutmütig ist, könnte man anmerken, es habe geschneit. Ist man es nicht, so muss man zugeben,  dass es heute das schlimmste Schmuddelwetter seit Jahren gab.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Hinfahren

wollte mein Sohn heute wieder zu seinem Papa.

"Wir können doch mal da hin fahren!" 
"Ja, mein Süßer, das wäre toll! Das würde ich auch gerne machen."
"Mama, können wir jetzt zu Papa hinfahren und Papa abholen?"
"Das würde ich auch gerne machen, aber da dürfen nur Bundeswehrsoldaten hin."
"Aber ich kann auch Bundeswehr! Ich hab auch ein Uniformjacke und eine Soldatenhose. Dann können wir da hinfahren."
"Das ist eine tolle Idee, aber leider dürfen da nur große Soldaten hin und Papa kommt ja auch bald wieder."


Schnief.




Dienstag, 13. Dezember 2011

11 Tage

bis Heiligabend. Diese Ansage im Radio hat mich heute ein wenig erschüttert.
Weihnachtsgeschenke? Fehlanzeige.
Warum kommt Weihnachten bei mir immer so überraschend?
Wenn nur die Post nicht so ewig dauern würde, dann hätte ich wenigstens noch ein paar Tage um zu überlegen, womit ich meinen Lieblingssoldaten erfreuen könnte. Verbrauchsgüter oder etwas Klitzekleines, denn das Ganze muss ja auch in absehbarer Zeit wieder hier her zurück. Wenn das Beschenken nicht schon im Normalfall schwierig wäre, im Einsatz ist das ein fast unlösbares Problem. Aber es wird mir etwas einfallen, da bin ich sicher. Nur schnell muss es gehen...

Krankenstand: 2 Rotznasen, 1 Kind mit heftigstem Husten

Montag, 12. Dezember 2011

40er

So langsam werde die Tage überschaubar und mein Maßband ist auf knappe 50 Zentimeter geschrumpft. Das lässt hoffen, machte mich aber anscheinend so übermütig, dass ich am Wochenende mit einem Durchhänger zu kämpfen hatte. Unter 50 ist zwar schon etwas, aber auf einmal kam mir die Zeit über Weihnachten und Sylvester doppelt so lang vor wie der Rest. Vielleicht war ich ein bisschen voreilig: Ich dachte, jetzt ginge alles ganz schnell. Aber gerade dann kriecht die Zeit und selbst eine Stunde will hier nicht herum gehen.


Freitag, 9. Dezember 2011

Einkaufen

Es macht mir manchmal schon ein wenig Freude Psychologe zu spielen und mich selbst zu analysieren. Leider stoße ich dabei immer wieder an meine Grenzen und muss schlicht akzeptieren, was ich da beobachte. Heute gab es wieder Grund zu so einer kleinen Therapiestunde.
Ich habe heute zweierlei unternommen: Shoppen gegangen, was in meinem Fall "Beutezug" bedeutet und nichts mit dem profanen Einkaufen zu tun hat, was ich heute ebenfalls getan habe. Shoppen ist durchaus heilsam, wie ich immer wieder feststellen muss. Hilft über machen Frust hinweg, ebenso über die ganz heftigen Sehnsuchtsanfälle. Ersatzbefriedigung, nehme ich an.
Beim Einkaufen liegt die Sache anders. Beim stinknormalen Einkauf im Supermarkt kommen mir fast immer die Tränen. So blöd das ist, aber Lebensmittel einkaufen finden ich ohne meinen Soldaten ganz traurig. Wenn ich das hier schreibe, finde ich es einfach nur lächerlich. Dass ich die Leberwurst, die niemand außer dem Soldaten mag, im Regal liegen lassen muss, macht mich regelmäßig und schlagartig einsam. Ich breche an der Kasse nicht in Tränen aus, aber ich schleiche doch recht nah am Wasser gebaut durch die Gänge. Schon sehr eigenartig.
Vielleicht sind es einfach die Dinge, die wir häufig zusammen machen. Der konsumorientierte Beutezug des Mausohrs wird selten vom Soldaten begleitet. Das Einkaufen von Grundnahrungsmitteln schon.


Mittwoch, 7. Dezember 2011

Notfallkiste

Die Notfallkiste war eigentlich dafür gedacht, die Sehnsucht nach Papa zu stillen. In einer alten Holzkiste hatte mein Mann alle möglichen Bundeswehrdevotionalien, Werbegeschenke, Brustaufnäher, Verbandsabzeichen, Spielzeugpanzer und Co. deponiert. Falls die Sehnsucht unerträglich sein sollte - so war geplant - sollte Sohnemann sich etwas aus der Kiste nehmen dürfen. Nachdem Zwerg einmal in die Kiste geschaut hatte, war die Sehnsucht jeden Tag so groß, dass die Kiste innerhalb von 2 Wochen leergeräumt war.
Die leere Kiste stand dann zunächst herum. Spontan fiel mir ein, dass Knirps alle Dinge darin sammeln könnte, die er für Papa findet, bastelt, malt oder ihm schenken möchte. Dinge, über die Papa sich freut, wenn er wieder da ist. So habe ich das vor Kurzem in der Kinderfassung zum Besten gegeben. Der Knirps daraufhin: "Du kommst in die Kiste, Mama! Dann freut sich Papa!"

Dienstag, 6. Dezember 2011

2014

Eine Zahl, die seit vorgestern wieder in meinem Kopf herumspukt. 
2014 soll das Thema Afghanistan in irgendeiner Weise dem Ende zugehen. 
Wird es ein Ende geben? 
Werden keine Soldaten mehr entsandt werden? 
Werden keine Soldaten mehr sterben müssen, für ein Land, dass mir nichts bedeutet? 
Ein Ende des Einsatzes, der für mich kein Menschenleben wert ist und nie wert sein wird? 
Die Angst vorbei? 
Ich glaube es nicht.
Wenn nicht dieser, so werden andere kommen. 
Andere Einsätze, 
dieselben Ängste.

Samstag, 3. Dezember 2011

Advent

Morgen nun der 2. Advent. Komisches Gefühl. Immer noch fühle ich mich wie jemand der vor dem Schaufenster steht. Weihnachten und alles was dazu gehört ist dort zu sehen, aber ich komme nicht ran. Dabei habe ich bisher das volle Programm mitgenommen: Weihnachtsdekoration, Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt, Kinderbelustigung mit Nikolaus, Weihnachtslieder gehört, Weihnachtsgeschenke gekauft. Ich finde das Ganze auch total gemütlich und besinnlich, aber es nagt doch zu sehr, dass da ein ganz wesentlicher Teil fehlt: Der Mensch, mit dem ich am liebsten Weihnachten feiere. Mein Mann.
Wenn ich ehrlich bin, freue ich mich nur aus dem Grund auf Weihnachten, weil wir dann schon fast 3/4 des Einsatzes geschafft haben. Naja, leuchtende Kinderaugen sind auch immer gut, aber ich befürchte diesmal werden Mamas Augen aufgrund erhöhtem Wasserstand mit ihnen um die Wette glitzern.
Ich werde versuchen mich weiterhin abzuhärten und morgen erneut Plätzchen backen und Weihnachtslieder üben. Was tut man nicht alles für die Kleinen.

Freitag, 2. Dezember 2011

In Zehnerschritten

zählt es sich ganz gut. Ich hangel mich von den 70ern zu den 60ern und nun so langsam in die 50er.   Von "Ain't no mountain high enough" von Diana Ross über "Leaving on a jetplane" von John Denver zu "Only you" von den Platters  - wenn ich es musikalisch beschreiben müsste.
Was wohl die 40er bringen werden? "White Christmas"?

Zur Zeit läuft das Leben an der Heimatfront recht geschmeidig, aber ich habe wie immer ein schlechtes Gefühl das zu schreiben und klopfe vorsorglich auf Holz. Wie ich gelernt habe, kann sich das Wohlgefühl recht schnell in das größte Chaos stürzen.

Die letzte Woche war schön. Ich hatte lieben Besuch und es tat gut, die Abende nicht allein zu verbringen und jemanden zum Reden zu haben. Gespräche mit Dreijährigen sind zwar auch ganz nett, aber Mutti braucht auch ab und zu ein wenig Abwechslung. ;)
Der erste Abend wieder allein stütze mich sogleich in einen Durchhänger, dem ich heute mit vollem Programm und wenig Zeit zum Nachdenken den Garaus machte. Alles wird gut.

Ich hoffe, das Wochenende lässt sich ertragen...
aber wird schon.
Es werden weniger, das ist die Hauptsache!





Rüstzeit

Ich war auf einer Familienrüstzeit! Da ich nicht unbedingt ein Kirchgänger bin, würde ich um Veranstaltungen aus dem Bereich Kirche in der Regel einen großen Bogen machen, aber diesmal war mir danach, ich wollte einfach einen Austausch mit anderen Soldatenfrauen und -familien.
Mit zwei Kindern ist ein Wochenende nicht wirklich entspannt, aber die Durchführenden haben sich alle Mühe gegeben die Knirpse zu betreuen. Basteln, Spielen, Malen  - das volle Programm. Wirklich klasse! Respekt!
Zum Thema Einsatz gab es Vorträge, Seminar und Gesprächsrunde. Im Vorfeld hatte ich mir nicht viel davon versprochen, wurde aber angenehm überrascht. Es tat gut, sich mit anderen auszutauschen, Tipps zu bekommen und Ideen weiterzugeben.
Einziger Wermutstropfen: Das Babyfon reichte nicht bis zur Kneipe. Ich hätte die Abende gerne in der Runde bei einem Bierchen genossen.
Naja, nächstes Mal bin ich schlauer, die Kinder älter und ich fahre allein!
Aber von hier aus noch einmal ein Dankeschön für diese klasse Veranstaltung!
Und bei der nächsten Rüstzeit bin ich wieder dabei - hoffentlich auch dann wieder von meinem Lieblingsstandort aus.

Dienstag, 29. November 2011

Kosovo

Mir fehlen irgendwie die Worte zu dem, was dort gerade passiert. Ich hoffe inständig, dass die Macht der Menschen, die eine politische Lösung suchen, größer ist als die derjenigen, die anscheinend vom Krieg noch nicht genug haben.
Alles Gute für die verletzten KFOR Soldaten und ihre Angehörigen!

Frage: Wurde der Vorfall eigentlich in der Tagesschau erwähnt? Oder ist das immer noch nicht wichtig genug?

Samstag, 26. November 2011

Erstbesteigung

mit zwei Kindern. Geschafft. Darum ein kurzer Rückblick auf den langen Aufstieg.
Rückblickend kommen mir die Monate seit dem Abflug vor, als wären sie recht schnell vergangen. Ich kann mich noch so genau an den Abschied erinnern, an die Gesten, die Blicke, die Momente, die so unendlich traurig waren, an dieses furchtbare Gefühl.
Andererseits kommt mir die Zeit, zähle ich sie in Tagen, unendlich lange vor und zum Bergfest habe ich oft gedacht "Oh, Gott, jetzt kommen noch einmal so viele Tage!" Im ersten Moment fühlte sich die "Halbzeit" nicht wirklich positiv an.
So viele Tage kommen noch, an denen ich allein verantwortlich bin, den Laden am Laufen halten muss. Gerade dies finde ich persönlich sehr belastend, aber was mich wirklich umgehauen hat, ist das völlige Fehlen von "Freizeit" vom Mamasein und dem Gefühl auch mal einfach nur Partnerin und Frau zu sein.
Der gute Kontakt über Telefon und Skype trägt viel dazu bei, dass ich mich nicht so sehr getrennt und allein fühle. Wenn das für alle Einsätze gewährleistet würde, wäre das eine erhebliche Erleichterung.
Dennoch gab und gibt es im Alltag immer wieder Momente, in denen ich kurz mit den Tränen kämpfe bzw. sie einfach wahrnehme: Kinder, die nach Papa fragen, andere Paare mit Kindern, Laterne laufen, sonnige Herbstabende, die ersten Weihnachtseinkäufe, Adventsdeko, ...
Aber ich denke, das gehört dazu, wenn man vermisst, nicht wahr?
Jetzt, ein paar Tage nach dem Bergfest, bin ich guter Laune, denn die Zeit rennt - rennt bis Nikolaus, bis Weihnachten. Sylvester. Und dann kann ich mir das Ganze schon recht entspannt am Maßband anschauen.
Bergab geht es wirklich schneller.


Dienstag, 22. November 2011

Trüb

wirkt hier alles. Nicht wirklich dazu geeignet, die Stimmung zu heben.

Wieder eine unruhige Nacht. Weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Ich brauche wirklich einmal eine Pause!

Würde die Kinder am liebsten mal zwei Tage abgeben, wegfahren und einfach Ruhe genießen. Wie lange ist das her? 4 Jahre?
Ein Wellness-Wochenende bitte,
umgehend, es ist dringend!
Wär das schön...

Montag, 21. November 2011

Durchhänger

Heute ist ein wirklicher Durchhängertag. Ich bin fertig, kaputt und alle. Zwei Nächte mit noch weniger Schlaf als sonst, weil die Knirpse dank Fieber unruhig schliefen und ich daneben auch nicht zur Ruhe kam. Der Tag began dann vielversprechend. Fast Normaltemperatur. Sehr schön, aber noch viel anstrengender als zwei kranke Kinder sind zwei nahezu wieder gesunde Kinder, die noch nicht raus sollen, aber so viel Energie haben, dass Mutti schon mittags kurreif ist.
Aber nichtsdestotrotz ist es sehr erfreulich, dass die Beiden wieder einigermaßen fit sind.
Jetzt schlafen die Biester, ich habe wieder mit Frau Karven geturnt und werde nun mit Buch, Erkältungstee und Knabbersachen den Abend beschließen.
Hätte ich mal nichts gesagt: Nr. 2 ist gerade wieder wach geworden...
Also muss der gemütliche Teil des Abends noch ein wenig warten. Aber er kommt noch!

Sonntag, 20. November 2011

Krankenstation

ist wieder geöffnet.
Geht das jetzt immer so weiter? Gefühlte 7 Tage fit und eine Woche krank?

Krankenstand: 2 Kinder mit Fieber, eine Mutter mit Erkältung.

Samstag, 19. November 2011

Plätzchen

gebacken, die ersten Weihnachtsplätzchen!


Beschäftigungsmaßnahme fürs angeschlagene Kind (s.u.), da das draußen Austoben auf bessere Zeiten vertagt werden musste...

Wie auch mein für Heute geplanter kinderfreier Abend. Nun liege ich wieder einmal neben einem kranken Kind und habe (man muss ja positiv denken...) Zeit zum Lesen. Man gönnt sich ja sonst nix. ;)



Krankenstand: Ein Kind mit Fieber, Ursache unbekannt.

Freitag, 18. November 2011

Ein Paket


vom Soldaten ist angekommen! Unerwartet, da es schneller ankam als erwartet, war die Freude doppelt so groß, als der Postbote es aus seinem Wagen holte.

Freude, so groß, dass es kribbelte. Schade, dass mein Soldat nicht hineinpasste - das wäre die einzige Steigung zu dem großen Hurra, was sowieso schon herrschte, als Sohnemann das Paket sah. 

Nun sind wir gut ausgestattet. Alles was das Lagerleben hergibt. Kekse, Schokolade, Kinderspielzeug, Schnuffel/Schnupper-T-Shirt für mich und ganz viel Liebe waren drin. Als wäre schon mal ein kleiner Teil von ihm nach Hause gekommen. Werde mich nun sofort an die Retour machen und das erste weihnachtliche Päckchen packen.

Ich warte allerdings schon wieder sehnsüchtig auf das nächste Paket...

Das Schnuffel-T-Shirt vom Soldaten hat mir nämlich mein Sohn geklaut, der friedlich hineingekuschelt damit eingeschlafen ist. Als er mich zuvor fragte, was das für ein T-Shirt sei, bat ich ihn daran zu riechen. Er schnupperte und sagte nur "Papa" und gab es nicht mehr her.

Donnerstag, 17. November 2011

Weihnachten

wirft seine Schatten voraus.
Heute war ich auf einer Adventsausstellung. Merkwürdigerweise habe ich zwar Lust auf die ganze Weihnachtsdeko und zähle die Tage bis zur ersten Lichterkette, aber keine Lust auf die Weihnachtstage.
Zwischen all den Weihnachtsartikeln kam ich mir seltsam fremd vor. Alles war so weit entfernt für mich, wie schon lange nicht mehr. So als würde ich den ganzen Glanz und Glitter von außen durch die Scheibe betrachten.
Keine Ahnung, ob wirkliche Weihnachtsstimmung aufkommen wird, dieses Jahr. Für die Kinder werde ich mich aber bemühen und das gesamte Programm durchziehen. Adventskalender basteln, Kekse backen, Lieder singen, Kerzen anzünden, ... Nur der Baum wird dieses Jahr nicht bei uns sondern bei Oma und Opa stehen. Dort ist dann Bescherung und so muss ich nicht abends, wenn die Kinder schlafen, allein vorm Weihnachtsbaum sitzen.
Und Tannennadeln aus dem Teppich ziehen muss ich dann hinterher auch nicht. Sehr praktisch. ;)

Mittwoch, 16. November 2011

Belohnung

abgeholt. Nachdem ich Ende letzten Monats meine Belohnung vergessen hatte, gab es heute die langersehnte Massage für den überstandenen Oktober. Sehr erholsam und heute früh auch einfach ein klasse Start in den Tag! Schade, dass das nicht jeden Tag geht! Bis Ende November ist es aber nicht mehr lange und da gibt es schon die nächste Wohlfühlstunde.
Seit Montagabend habe ich zudem noch eine tägliche Verabredung mit Frau Karven - ich habe mir ihre DVD "Yoga Everyday" gegönnt. Bisher haben solche "Zuhause-Programme" bei mir noch nie funktioniert, aber immerhin seit 3 Tagen bin ich dabei und fühle mich sehr viel erholter. Morgen geht es dann noch zum wöchentlichen Yogaüben bei meiner Lehrerin und damit sollte ich total tiefenentspannt ins Wochenende starten. Wir lassen nichts unversucht!
Der Trennungsschmerz von meinem Sohn hielt sich heute im Kindergarten auch in Grenzen. Ein wenig geweint hat er, aber als ich unten noch ein bißchen wartete, war alles schon vorbei und es war nichts mehr zu hören.
Aufwärts gehts!


Dienstag, 15. November 2011

Wieder

ein Wochenende überstanden und diesmal wars gar nicht so schlimm. Ich werde besser, was Termine legen betrifft. War alles voll und eigentlich habe ich nicht gemerkt, dass ein Sonntag dazwischen war.

Heute Nachmittag gab es einer erneuten Versuch, meinem Sohn den Kindergarten wieder schmackhaft zu machen. Es endete damit, dass ich die ganze Zeit dort geblieben bin. Er hat nach Anlaufschwierigkeiten glücklich dort gespielt, machte aber sehr deutlich, dass ich nicht gehen dürfe.
Seelisch bereite ich mich darauf vor, ihn Morgen dort zu lassen und tapfer wegzugehen und nicht hinzuhören, wenn er anfängt zu weinen. Kann ich gar nicht gut ab. Aber wer kann das schon?

Seine Fragen nach Papa werden nun immer konkreter und häufiger. Ich solle Papa holen, er wolle ihn wieder haben. Ich habe ihn daran erinnert, dass man sich am Besten mit schönen Gedanken ablenkt, wenn man traurig ist und ihn gefragt, was er mit Papa unternehmen wolle, wenn er wieder da ist: Spielen, Kuscheln, in den Wald gehen. Nun, irgendwie haben wir beide es geschafft, uns darauf zu freuen.

Wird schon!


Sonntag, 13. November 2011

Volkstrauertag

und niemand trauert. In einem Land, dass zwei Kriege geführt hat und nun erneut Soldaten in den Krieg schickt. Woher kommt das?

Vor ein paar Tagen sah ich in der Zeitung ein Bild von Daniel Craig bei einer Präsentation für seinen nächsten Bond Film. An seinem Kragen war eine kleine Mohnblume angeheftet. Ein jährliches Gedenken an die Gefallenen. Der Schauspieler trug die Blume zum jährlichen "London Poppy Day" (übrigens ebenso sein spanischer Kollege Bardem).
In England ist das Gedenken an Gefallene anscheinend selbstverständlich, gehört zumindest zum guten Ton und ist im Gegensatz zu unserem Land, auch in der Bevölkerung verankert.

Charles de Gaulle soll gesagt haben "Den Charakter einer Nation erkennt man daran, wie sie ihre Soldaten nach einem verlorenen Krieg behandelt." Ob Überlebende oder Gefallenen, da ist es mit dem Charakter der deutschen Nation nicht weit her...

Wie kann es sein, das sich ein Land Soldaten leistet, aber dann nicht fähig ist, hinter ihnen zu stehen und dies auch auf allen staatlichen Ebenen zu unterstützen?

Wie kann es sein, dass einzelne Länder Soldaten aus ihren Schulen werfen, als wären sie politische Verbrecher?  Warum setzt dem unsere Bundesregierung nicht vehement ein Zeichen entgegen? Warum wird weiterhin in vielen staatlichen Schulen kein Wort über die Einsätze der Bundeswehr verloren, wenn aber doch unser Staat Soldaten entsendet und der Bundestag dies anscheinend für richtig hält?

Manchmal habe ich das Gefühl, Soldaten sind zwar gewollt, um sich international zu beteiligen, aber eigentlich will man sie nicht sehen und von dem unangenehmen Teil "Krieg und Töten" will man auch nichts hören. Man kauft ja auch gerne sein Hühnchenfilet im Supermarkt anstatt selbst das Beil in die Hand zu nehmen. Doppelmoral.

Zurück zum Volkstrauertag.
Ich schäme mich, dass ich in einem Land lebe, dessen Bevölkerung seiner gefallenen Soldaten so wenig gedenkt. Ich wünschte, es wäre den Menschen deutlicher bewusst, dass einige ihren Einsatz für ihr Land mit einem sehr hohen Preis bezahlen.



Mittwoch, 9. November 2011

Launisch

beschreibt wohl am Ehesten den derzeitigen Zustand meines Sohnes. Vielleicht auch neben sich stehend, mit sich uneinig, unzufrieden, unausgeglichen.

Er hat ganz offensichtlich sehr mit der Trennung vom Papa zu kämpfen. Wut, Aggressionen, Einnässen, Trennungsangst, Appetitlosigkeit. Es fällt ihm mit seinen 3 1/2 Jahren noch sehr schwer, zu verstehen und auszudrücken was ihn so aus der Bahn wirft und nur ganz selten kommt ein "Mama, ich will, dass du Papa mit dem Flugzeug wieder holst. Ich will Papa wieder haben." Heute dann noch die Steigerung: "Ich will nicht, dass Papa bei der Bundeswehr arbeitet." Und dann hat man so einen Knirps, der zuvor vor lauter Wut geschrien und gehauen hat, weinend im Arm und kann nichts tun, außer in festzuhalten und zu versuchen nicht selbst in Tränen auszubrechen.

Dass er selbst so hilflos in der Situation ist, macht mir am Meisten zu schaffen. Er redet ganz wenig und bei Telefonaten oder beim Skypen ist er unkonzentriert und kann sich auf ein Gespräch kaum einlassen. Schwierig für uns alle.
Im Kindergarten (nur ein paar Stunden nachmittags) läuft es auch nicht mehr rund. Durch die ewigen Krankheiten ist er dort schon fast wieder "entwöhnt" und ist richtig verzweifelt, wenn wir hinfahren. Dabei ist es anscheinend nicht die Trennung von Mama, die ihm Sorgen macht (wie zu Beginn) sondern die Tatsache überhaupt hinzufahren. An den letzten Nachmittagen hat er so viel geweint, dass ich ihn wieder mitgenommen habe.
Für mich ist es im Moment schwer zu entscheiden, was von all dem mit den Einsatz zu tun hat und was "normal" ist. Im Endeffekt wahrscheinlich egal.
Es fällt mir nur zur Zeit unglaublich schwer, gemeinsam mit dem Kleinen den richtigen Weg zu finden.

(Foto: Ausschnitt aus dem Buch "Auslandseinsatz - Dein, Mein, Unser Einsatz - Ein Ratgeber für Soldatenfamilien, Zentrum Innere Führung, April 2011, Seite 84)

Sonntag, 6. November 2011

Sonntagsdurchhänger

Der übliche Sonntagsdurchhänger hat mich gepackt. Wahrscheinlich ist das schon eine selbsterfüllende Prophezeiung. Schon der Morgen startet mit "Was machen wir heute? Wie kriegen wir den Tag rum?"
Wieder nichts geplant, keine Besuche und Termine. Und zu nichts Lust. Am Liebsten einfach im Bett bleiben, Decke über den Kopf.
Blöd nur, wenn da zwei Kinder neben einem liegen, die A. Hunger haben und B. spätestens nach 5 Minuten faulenzen unausgelastet sind. Also aufstehen, Frühstück machen und Kinderbeschäftigung ausdenken. Bis zum Mittag war das im Innenbereich grenzwertig möglich, nachmittags war Auslauf angesagt und hochgradig nötig. Mutti tobte sich derweil im Garten aus: Laub fegen, Pflanzen beschneiden, Büsche kürzen, Aufräumen, winterfest machen. Das brachte eine kurzfristige Besserung meiner Laune, die aber zum Abendessen schon wieder verflogen war.
Ich bin einfach kaputt.
Rund um die Uhr zwei (zugegeben sehr süße) Knirpse um sich herum, Haushalt schmeißen, seit gut 4 Jahren nicht eine Nacht durchschlafen, zur Zeit gegen 5 Uhr aufstehen (Kind Nr. 1 interessiert die Zeitumstellung nicht wirklich), der Einsatz...
Das macht mich fertig.
Will einfach nur schlafen.
Gehe jetzt ins Bett. Decke über den Kopf.
Morgen sieht die Welt hoffentlich schon besser aus.
Ist schließlich Montag
und nicht Sonntag.

Samstag, 5. November 2011

Schweden

Ein Hoch auf Schweden (sowieso) und die dazugehörigen Möbelhäuser (im Besonderen).

Unglaublich, was so ein Einkauf beim Schweden bewirken kann. Lange habe ich nicht mehr so viel Lust gehabt schlafen zu gehen. Neue Bettwäsche und ein bisschen Deko machen den Raum so gemütlich, dass ich fast darüber hinwegsehen könnte, dass ich allein hier bin. Fast...

Auch sonst wirkt so ein Bummel zwischen Billy, Stuva und Nyttja durchaus stimmungsaufhellend. Kann ich nur empfehlen.

Donnerstag, 3. November 2011

Kindermund

Heute verweigerte mein Sohn den täglichen Bonbon aus seinem "Papaglas". Er wolle keine Bonbons mehr essen, ich könne das Glas wegwerfen, meinte er. Als ich nachfragte, erwiderte er: "Dann kommt Papa wieder."

Was soll man da antworten, wenn man dem kleinen Kerlchen erzählt hat, dass Papa wieder da ist, wenn das Bonbonglas leer ist und keine Bonbons mehr da sind?

Nun, ich habe im gesagt, dass das eine großartige Idee sei, es aber leider nicht funktionieren wird.

Nachdem ich das Prinzip "Tage=Bonbons" noch einmal erklärt hatte, zählten wir gemeinsam die Bonbons durch und stellten fest, dass es zu viele waren. Also doch ein kleines Erfolgserlebnis für den kleinen Mann, auch wenn er noch ein bisschen ohne Papa zuhause auskommen muss.


Mittwoch, 2. November 2011

Freuen

kann man sich auch allein. Auch an einem Tag, den man eigentlich gerne gemeinsam verbringt.
Gestern war so ein Tag. Ein bisschen wehmütig, aber dennoch gut gelaunt und einfach froh darüber, dass ich die zu feiernde Entscheidung getroffen habe.
Allein freuen, dass ich meinen Mann geheiratet habe.
Mit Hilfe von zwei großartigen Freundinnen, einem leckeren Essen und Post vom Soldaten.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Sechs

Wochenenden geschafft.
Heute bin ich wieder in die Sonntagsfalle getappt: Kein Eintrag auf meinem Kalender. Nichts vor. Nach 8 Tagen Krankenwache fiel mir die Decke auf den Kopf und die Gedanken sahen die vielen Wochenende, die noch kommen werden. Hier. Ohne ihn.
Kurz entschlossen die Kinder gepackt, auf einen Herbstmarkt gefahren. Ablenkung, raus hier.
Es hat geholfen.
Ganz habe ich dieses "Sonntagsgefühl" nicht loswerden können, sitze nun hier und bin irgendwie traurig. Ob das nur die Erwartung ist, die man an einen Sonntag hat oder ist dieser Tag tatsächlich anders?



Samstag, 29. Oktober 2011

Belohnung

vergessen! Nun ist dieser furchtbare Oktober fast herum und ich dachte es könne nicht schlimmer kommen, da sprach mein AB: "Wir warten auf dich! Hast du den Termin vergessen?" Ein panischer Blick auf den Kalender: 17.40 Uhr Massage. Meine Belohnungsmassage am Ende des Einsatzmonats.
Vergessen.
Bedeutet das nun mir geht es zu gut oder zu schlecht? Ich brauch sie nicht oder hilft eh nicht mehr?
Ärgerlich auf jeden Fall, denn auch wenn es eh nicht hilft - schön wäre es trotzdem gewesen.
Also weiter im Alltag ohne Auszeit.
Die wäre zwar mal nötig, aber ich denke das geht jeder Mutter so - mit oder ohne Einsatz.
Und klar ist auch, dass da nicht nur eine Stunde reicht...

Beim Aufräumen habe ich heute meine "Postliste" aus dem letzten Einsatz wiedergefunden. Über 256 Briefe und Karten. Unglaublich.
Des Aufräumens Ausschlag gab übrigens mein Versuch Postkarten für unter 1€ zu erstehen. War mir nicht möglich, also habe ich alle Kisten und Schachteln durchwühlt, in der Hoffnung noch einigermaßen ansprechende Exemplare im eigenen Chaos zu finden. Wir schmeißen ja nix weg...es sind sogar noch Bestände vom ersten Einsatz erhalten.
Werden ja nicht schlecht....   ;)
Also fix noch eine Karte geschrieben!


Krankenstand: s. "Zweistellig" vom 27.10.2011
Wann hat das endlich ein Ende?


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Zweistellig

Das Tagezählen geht voran: Wir sind unter 100 angelangt und damit endlich im zweistelligen Bereich. 


Fühlt sich gut an. Mittlerweile kann ich mir auch das Maßband ansehen, ohne gleich in Depressionen zu verfallen. Es hängt nun lang an der Wand und nicht mehr dreimal um den Nagel geschlungen. 
Ich kann dem Feind also mittlerweile ins Gesicht sehen...


Rückblickend ist die Zeit bis hierher recht schnell vergangen und ich schlage mich, besonders im Vergleich zum ersten Einsatz, ziemlich tapfer. Die andauernden Krankheiten der Kinder belasten allerdings sehr und so langsam sind meine Reserven aufgebraucht. 
Ich hoffe, dass sich die Kinder nun langsam in die Situation einfinden und ihre alte Robustheit wieder erlangen. 
Ihr Fell ist dünn geworden seit Papa im Einsatz ist.


Krankenstand: 2 Kinder mit Magen-Darm-Infekt, 2 Großmütter mit Magen-Darm-Infekt, 1 Großvater mit Magen-Darm-Infekt, 1 Mutter/Krankenschwester im Dauereinsatz zwischen Bett, Bad und Waschmaschine. 
Es kann nur besser werden... 

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Herbstsonne

Wunderschöner Nachmittag.
Sonne.
Draußen mit den Kindern.






Du fehlst.


Lost Places

Heute sollen die Standorte bekanntgegeben werden, die im Zuge der aktuellen Bundeswehrreform geschlossen werden. Gerüchte machen schon seit Tagen die Runde, heute meldete ein örtlicher Radiosender drei Orte, die in Zukunft wohl ohne Bundeswehr auskommen müssen. Ob diese Nennungen verlässlich sind, weiß bisher niemand genau. Da hilft es nur abzuwarten bis zur Pressekonferenz des Ministers.
Trotzdem es uns wahrscheinlich nicht direkt betreffen wir, bin ich doch etwas unruhig und habe mich von der Aufregung etwas anstecken lassen. Welche Standorte, die wir kennen, werden wohl schließen müssen? Was folgt dann?
Wenn ich mir die Standorte in Erinnerung rufe, die in den letzten 10 Jahren hier in der Umgebung geschlossen wurden, dann bietet sich mir ein trostloses Bild. Kasernen, die zum Teil mit neuen Anlagen, Küchen und Co. ausgestattet waren, sind in den Jahren verfallen, verwahrlost, mutwillig zerstört worden und stehen noch immer leer.
Und die Menschen? Verteilt auf andere Standorte, außer Dienst, weg. Nur ihre Erinnerungen hängen noch zwischen Stabsgebäude, Wache, Truppenküche.
Ein ganz merkwürdiges, beklemmendes Gefühl diese Orte zu besuchen. Zerschlagene Fenster. Birken, die aus den Dächern wachsen. Und dennoch sehe ich darunter immer das Bild, dass mir vom letzten Durchfahren der Schranke in Erinnerung geblieben ist.
Wie ein Foto, dass zweimal belichtet wurde.
Lost Places.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Krankenstand

Nur damit hier nicht der Verdacht aufkommt das Thema des Blogs wäre verfehlt und es würde sich hier ausschließlich um die Darstellung allerlei Krankheiten handeln, werde ich dazu übergehen, den Krankenstand in Einsatzzeiten nur noch stichwortartig zu skizzieren und krankheitsfreie Tage in Zukunft würdigend hervorheben...

Aktueller Krankenstand: 2 Kinder mit Magen-Darm-Infekt, 1 Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs ;)

Montag, 24. Oktober 2011

Zuhause

Gibt es ein schöneres Gefühl, als aus dem Krankenhaus nach Hause zu kommen? Für mich war es ein Gefühl, als wäre ich wochenlang nicht hier gewesen; alle Feste und Feier zusammen, der Sechser im Lotto.
Erschöpft und müde sitze ich nun hier und bin einfach nur froh, dass nebenan zwei gesunde Knirpse seelenruhig und glücklich schlafen.
Eigentlich sollte ich dieses Gefühl jeden Tag haben und genießen!
Es ist so einfach eine Kinderklinik zu ertragen, wenn man im Grunde weiß, dass das eigene Kind wahrscheinlich nicht ernsthaft krank ist; zu ahnen, dass man nur ein wenig abwarten muss, um dann in der Hinsicht sorgenfrei nach Hause fahren zu dürfen.
Den Gedanken, dass es einmal anders sein könnte, kann ich kaum aushalten.




Sonntag, 23. Oktober 2011

Die Lage

Hier ein kurzer Bericht zur aktuellen Lage an meiner Heimatfront: Nach der Aufregung am Sonnabend habe sich die Wogen etwas geglättet. Dem angebumsten Kopf geht es gut, aber wir sind noch immer zur Beobachtung im Krankenhaus. Knirps Nr. 2 hat die
mutterlose Nacht dank der Großeltern gut überstanden und ich liege nun hier und freue mich auf Zuhause. Morgen, so ist der Plan.
Und dann hatte ich genügend Aufregung und will Ruhe haben für ein viertel Jahr...
mindestens!

Volles Programm

Im Moment nehmen wir alles mit. Nachdem ich gefühlt wochenlang kranke Kinder gepflegt und bemuttern habe, sind wir zu guter Letzt (das hoffe ich zumindest) auch noch im Krankenhaus gelandet. Zur Beobachtung des Kleinen, weil Köpfe bekanntlich nicht aus Stahlbeton sind, sich das bei Kleinkindern aber anscheinend noch nicht rumgesprochen hat...
Muss sowas unbedingt jetzt sein?
Ich scheine das im Moment anzuziehen...

Freitag, 21. Oktober 2011

Reformbegleitprogramm

Die Zeitungen melden den "goldenen Handschlag" für Bundeswehrsoldaten und unserer örtlichen Presse fällt nichts besseres ein, als in dieselbe Kerbe zu hauen: Es wird ganz viel Geld an Soldaten verschenkt! Sozusagen sind sie die Gewinner der Reform. So liest man denn auch im Papier "Neuausrichtung der Bundeswehr - Reformbegleitprogramm" des Ministers Punkt 3 den Titel: "Die Menschen gewinnen". Ich bin immer wieder begeistert über so viel Formulierungsgeschick gepaart mit Optimismus...
Toll, es soll Eltern-Kind-Arbeitszimmer geben und man soll zwischen Umzugskostenvergütung und Trennungsgeld wählen können! Finde ich wirklich enorm.

Gut, halten wir uns zurück. Ändern kann ich nichts und eigentlich ist es auch nur wieder eine Reform von vielen. Wann wurde eigentlich mal nicht reformiert oder transformiert in der Geschichte der Bundeswehr?
Der deutsche Staatsdiener hält sich ja in der Regel mit Kritik zurück, daher heißt es: Nehmen was kommt und hoffen, es kommt nicht zu dicke. Was soll schon passieren?

Da wir nicht umziehen, sind wir nicht geschockt, wenn ein Standort schließt. Höchstens betroffen, dass es immer weniger Kasernen in der Umgebung gibt, die uns um die Wochenendehe wenigstens zeitweise herum helfen könnten.

Das kleine Detail, das mir zu denken gibt, ist auch bei dieser Reform, dass es immer weniger Soldaten gibt für immer mehr/längere Einsätze. Möglicherweise eine typisch weibliche Zivilistensicht und vielleicht ja auch ganz falsch gedacht, dennoch sitzt mir das manchmal im Nacken und ich frage mich, wohin das noch führen soll.

Wir werden es erleben.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Aufwärts

gehts, wenn auch hier ganz leise und vorsichtig geschrieben.
Kügelchen, Pülverchen, Tropfen und Tees scheinen ihre Wirkung zu tun: Den Kindern geht es besser, Mutter steht noch und der gefühlte Nervenzusammenbruch ist auch überwunden.
Nun versuche ich den Abend gemütlich vor der Glotze zu genießen, Film aus der Konserve, Salzstangen aus der Tüte und Wein aus dem Glas.
Und ich hoffe auf einen entsprechend entspannten Schlafrhythmus der Sprösslinge.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Kinder

krank.
Erst am Montag wieder der Kleine, nun liegt der Große flach.
Durchwachte Nächte.
Hilflos.
Besorgt.
Müde.
Fühl mich allein.
Mist.

Sonntag, 16. Oktober 2011

Abend

und ich lächle noch.
Dabei hatte das Wochenende bescheiden angefangen. Samstag war der Wurm drin. Trotzdem ich mir Termine gemacht hatte, um nicht von der Grübelwolke erschlagen zu werden, war ich genervt und irgendwie total geschafft. Ob das die Erwartungshaltung ist, die irgendwie in mir drin laut ruft: "Wochenende! Pause! Füße hoch!" ?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber es war wieder ein Samstag, an dem ich sofort eine Nanny für meine Kinder engagiert hätte, wenn ich es mir leisten könnte und mir eine Woche Auszeit in einem Wellness-Hotel verordnen hätte.

Dabei ärgert es mich, dass ich es immer wieder soweit kommen lasse. Ich könnte weniger hektisch sein, ich könnte einfach mal Fünfe gerade sein lassen, über allen Blödsinn des vorpubertären Dreijährigen hinwegsehen und mich nicht gestresst fühlen, wenn mein zweiter Sohn immer nur Mama will.
Einfach tief durchatmen und sich freuen über den Moment
... klappt nicht immer, aber ich arbeite weiter daran.

Der Sonntag hat dann erstaunlicherweise alles gerettet und mich fürs Erste mit dem Thema Wochenende versöhnt.
Die Sonne, der Ort, die Menschen - alles passte.
War schön da, wo ich war!

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Rennen




Zur Zeit rennen die Tage geradezu mit mir davon. 

Kaum gefrühstückt ist bereits Abend und ich habe wieder einen Schritt geschafft. 

Es tut gut, wenn ich am Ende eines Tages merke, dass ich schon vier Tage lang nichts von meinem Maßband geschnitten habe und dann gleich 4 Zentimeter in der Hand halte. Viel besser, als jeden Tag nur einen. 

Das kam mir am Anfang vor wie ein Kriechen...ich krieche zum Wiedersehen, langsam, unerträglich langsam. 

Ganz schwer zu ertragen, wenn man eigentlich rennen möchte.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Wein?


Ja, bitte!
Keine Angst, nicht zum Tage zählen!
Aber ab und an kann man sich ja mal etwas gönnen...
War ein schöner Tag heute!

Der erste Teil der Woche ist geschafft. Gut, es kann immer noch schlimm kommen, aber momentan habe ich eine optimistische Phase.

Laterne gebastelt, Essen gekocht, Paket gepackt, Postkarte geschrieben, eingekauft, Kinder beschäftigt, Fahrdienst gemacht, Spazieren gegangen, aufgeräumt, ...
um nur einige Dinge zu nennen, die heute gut geklappt haben.

Nun ist auch dieser Tag geschafft und ich bin dem Wiedersehen wieder einen Tag näher.



Schleife

Da kommt man sich nicht so allein vor: Eine nette Begegnung auf dem Parkplatz eines Supermarktes hatte ich heute. Gelbe Schleifen erkenne ich mittlerweile blind - irgendwie scheint da eine Art Radar in meinem Kopf eingebaut zu sein. Nun, außer bei meinen Familienmitgliedern hatte ich sie bisher hier auch noch nicht oft gesehen. Nun war sie da, auf einem Auto, aus dem gerade ein Mann ausstieg. Ich beglückwünschte ihn zu seinem Autoschmuck und schon kamen wir ins Gespräch. Sohn und Schwiegertochter gehen demnächst wieder in Einsätze. Mögen sie beide heile nach Hause kommen!
Und ich wünschte, ich würde mehr Schleifen sehen!

Montag, 10. Oktober 2011

Montag

Mit den Montagen ist das so eine Sache. Schön, dass man wieder ein Wochenende geschafft hat, aber erschreckend, dass wieder eine ganze Woche folgt. 
Folglich ist bei meinen Montagen irgendwie der Wurm drin. 
Echte Startschwierigkeiten. 
Wieder eine Woche durchhalten, wieder ein Wochenende und immer so weiter. 
Und die Erkenntnis, dass es eigentlich kein Wochenende für mich gibt, dass es keine Pause gibt, ist montags am schwersten zu ertragen.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Leere Kaserne

Ohne meinen Soldaten in der Kaserne. Merkwürdiges Gefühl.
Ganz fremd und doch alles bekannt.
Alles schien ein bisschen trostloser, einsamer und irgendwie leer. 
Ich konnte ihn fast noch fühlen, dort wo wir das letzte Mal saßen und gemeinsam mit seinen Kameraden Kaffee tranken. Der Parkplatz auf dem sein Auto meist steht, der Block in dem er arbeitet, der Weg den wir letztes Mal gegangen sind. Alles hat mich an ihn erinnert und ich habe ihn noch mehr vermisst. 
Es war befremdlich, traurig und tröstlich zugleich. 

Wählscheibe

Das waren noch Zeiten, als mir mein altes Wählscheibentelefon zur Kommunikation außerhalb des Sichtkontaktes reichte. Ganz andere Zeiten.
Heute nun der moderne Katastrophenalarm: Mein Handy ist kaputt. Zurück in die Zeiten von Tasten und Telefonieren pur. Nix mit Überall-Netz, RSS und sozialen Netzwerken. Sozusagen Supergau für mich informationssüchtige Einsatzstrohwitwe. Im ersten Moment musste ich mich ernsthaft davon überzeugen, dass das alles nicht schlimm sei und das Leben auch ohne weiter geht.
Geht es auch. Tasten sind schön anzufassen, kein Netz haben ist entspannend und Facebook und Co. braucht man auch nicht wirklich. Vielleicht sollte ich es einfach so lassen?
Nee, das nun auch nicht.
Man gewöhnt sich dran, an diesen ganzen Kram.
Aber Wählscheibe war auch schön
...und hat, dank meiner nostalgischen Ader immer noch ihren Platz bei mir.

Samstag, 8. Oktober 2011

Feldpost




Trotz des Kontakts über Telefon und Netz war der erste Brief wie Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Ich habe ihn gefühlte 100 Mal gelesen und könnte ihn, jetzt da ich darüber schreibe, gleich wieder in die Hand nehmen.

Irgendwie kommt der ganze neumodische Krams doch nicht gegen einen handgeschriebenen Brief an!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Daddy is a Soldier

Wie angekündigt kommt hier der Bericht über meinen Ausflug in die englischsprachige Kinderliteratur zum Thema "Papa ist Soldat".

"Daddy is a Soldier" kommt nicht, wie laut der Daten von mir erwartet, aus England sondern aus den USA. Nichtsdestotrotz (gebe zu, ich bin da etwas vorurteilsbeladen) ist es ein angenehm unpathetisches Buch ohne die von mir befürchtete Heldenverehrung und Propaganda.

Das kleine Heftchen hat nur 11 Textseiten, die aber sehr kindgerecht mit Bildern und kurzen Sätzen gestaltet sind. Keine verkopften Informationen,  die (wie ich finde typisch deutsch) in einem Rundumschlag den Beruf und die Einsätze möglichst politisch korrekt darzustellen versuchen und die Angst erkennen lassen, hier könnte etwas zu "militaristisch" herüber kommen.
Erfreulicherweise nichts davon.

Es ist einfach nett zu lesen, wenn da steht: "I like to wear Daddy's uniform, but the shirt sleeves are too long." oder "Soldiers work with trucks and tanks. Some jump from airplanes too!" So entspannt habe ich das bisher noch nirgendwo lesen können...
Auf die Einsätze wird u.a. so eingegangen: "When Daddy leaves I'm sad and angry. I want him to stay."


Das Heft richtet sich, würde ich meinen, an Kinder um die 2-3 Jahre. Wäre schön, wenn es in Deutschland auch so etwas geben würde. Vielleicht hat ja jemand mal eine gute Idee...
Bis dahin gibt es für "Daddy is a Soldier" von Kirsten Hallowell ein Daumen hoch!

Kirsten Hallowell: Daddy is a Soldier.
Traffford Publishing 2004
ISBN 1-4120-1853-6



Dienstag, 4. Oktober 2011

Tee?


Ja, bitte!




...wieder einen Teebeutel überbrüht und damit einem Tag den Kampf angesagt.

Gewonnen!

Er ist vorbei und mein Abend fängt an.

Montag, 3. Oktober 2011

Unverändert

düster alles. Ob es daran liegt, dass langsam die durchschnittliche Trennungszeit wegen Lehrgängen oder Übungen überschritten ist? Oder habe ich erst jetzt wirklich begriffen?
Das Positive der Abende, an denen ich über Fernsehprogramm, Abendgestaltung und Schlafenszeit allein bestimmten kann, ist mittlerweile verflogen. Zumindest im Moment, muss ich ergänzen, denn ich hoffe, dass das auch wieder anders wird. Wären sonst ja gruselig grausam, die kommenden Monate.

Eigentlich habe ich so zu gar nichts Lust...
Es stehen so viele Dinge an, die ich erledigen könnte, müsste, wollte. Aber nicht jetzt.

Möchte mich verkriechen und Winterschlaf halten.
Aufwachen, ins Auto steigen und ihn vom Flughafen abholen.

Sonntag, 2. Oktober 2011

10%

Den heutigen Tag kann ich ununtertrieben als bescheiden betiteln. Mir fallen noch passendere Attribute ein, aber ich lasse das hier lieber.
Ich gehe davon aus, dass auch ich nicht vom "Wochenendblues" verschont bleibe und heute fing es halt an.
Der Start in den Tag war ausgesprochen unglücklich, da ich halb ausgeschlafen beim morgendlichen  Tee die Beilage eines wirklich interessanten Designkatalogs griff und mich darin vertiefte.
Es war die Weihnachtsbeilage.
Die letzten Seiten konnte ich nur noch verschwommen lesen und meine zuvor mittelprächtige Laune war auf einem neuen Tiefstand angekommen.
So zog sich der gesamte Tag dahin. Zäh, übellaunig, überflüssig.
Meine eigene schlechte Laune übertrug sich auf die Kinder. Die Anhänglichkeit von Nr. 2, der immer noch etwas kränkelt, konnte ich kaum ertragen und Nr. 1 drehte frei, weil er mit mir nichts anfangen konnte. Ganz, ganz übel.
Zum Abend wurde es etwas besser, aber mein Grundstimmung ist weiter mies. Ich hoffe die Nacht bringt mir  etwas Ruhe und der neue Tag bessere Laune.
Mein Soldat meinte eben: Wir haben doch schon fast 10% geschafft!
Versuchen wir das einmal positiv zu sehen!

Samstag, 1. Oktober 2011

Wo seid ihr

Nächte am Feuer, wo seid ihr Männer vom Moor?


So heißt es in einem alten Lied...











Nun, ich habe heute am Feuer nur einen Mann vermisst!
Dennoch war es ein wunderschöner Abend am Lagerfeuer.
Nächstes Jahr - wieder mit meinem Lieblingsfeueranzünder - wird es aber nochmal so schön!

Freitag, 30. September 2011

Nachrichtensperre

ist für mich ganz schwer zu ertragen. Gut, in diesem Fall ist das Wort "Informationsdefizit" vielleicht passender, aber das Ergebnis ist das Gleiche.

Ich will Wissen! Es irritiert mich, dieses "Über dienstliche Angelegenheiten spricht man nicht." Nie wollte ich mehr wissen, über das was er tut und was er macht, als während der Einsätze. So auch jetzt. Was machst du da? Was für Leute sind da? Was ist dein Auftrag? Jedes noch so kleine Detail. So gerne würde ich ihn ausfragen und Antworten erhalten. Dass das nicht geht, nagt ein wenig an mir und macht Gespräche manchmal schwierig. Dabei ist für mich unbestritten, dass es so sein muss.
Trotzdem finde ich diese Mischung aus Neugierde und Besorgnis unerträglich. Manchmal möchte ich am liebsten in seinen Rucksack kriechen und von dort sehen, was er macht und gleichzeitig auf ihn aufpassen. Als ob er mich dafür bräuchte...

Nicht reden darüber, was man macht - ein undenkbarer Zustand für mich. Soldatenmann muss da durch alles durch, ohne Rücksicht auf dienstliche Belange. Aber wen interessiert es auch, wenn Kollegin A mal wieder unausstehlich war und Kollegin B schei*freundlich? Oder wenn die Politik Blödsinn macht und wir das ausbaden müssen? Egal, mein Soldatenmann muss sich notgedrungen alles anhören, ob er will oder nicht. Allein dafür hätte er schon einen Orden verdient...

Nun gut, aber seine Berufung ist eine andere und nicht wirklich vergleichbar mit meinem "Dienst". Und Männer im Allgemeinen sind da  - total vorurteilsfrei - auch irgendwie anders gestrickt.

Das Mausohr-Haus wurde übrigens wieder zu seuchenfreien Zone herabgestuft. Alle wieder halbwegs fit und nun wild darauf die Spätsommer/Frühherbst-Sonne zu genießen.
Noch ganz viele Tage vor uns, aber zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.

Donnerstag, 29. September 2011

Wieder oben

bin ich noch nicht ganz, aber meine Laune ist schon etwas besser. Unglaubliche Anpassungsleistungen. Kind ist immer noch krank, aber nach 2 wachen Nächten scheint sich der Körper an den Zustand zu gewöhnen oder aus Frust und Müdigkeit damit abzufinden. Die Viren haben mich zwar auch erwischt, aber Kranksein ist Muttis ja irgendwie nicht erlaubt. Also weiter machen.
Bis auf einen kleinen Rückfall in meinem Heulmobil, auf dem Weg zur Arztin mit Nr. 2, ging heute fast alles gut. Zudem hatte ich die letzten Tage ganz vergessen etwas von meinem Maßband abzuschneiden und so konnte ich es heute gleich 4 Zentimeter kürzer machen. Sehr schön, geht also doch voran.
Dennoch bin ich angeschlagen, was aber nicht am Einsatz liegt, sondern einfach daran, dass Nr. 2 krank ist, ich mich angesteckt habe und Nr. 1 demzufolge unter mangelnder Aufmerksamkeit leidet. Das wäre nicht anders, wenn mein Soldat hier wäre. Nur wenn man dann zufällig beim Autofahren, die Radiokanäle durchzappend, auf Tracy Chapman stößt und anschließend noch etwas Vergleichbares kommt...dann wird Soldatenmanns Auto eben zu Soldatenfraus Heulmobil.
Ich denke, das ist ziemlich normal...

Mittwoch, 28. September 2011

Ein Loch

hat sich aufgetan, schon lieg ich drin und hab meine Traurigkeit da unten wiedergefunden.

Eine Nacht nicht geschlafen, eine Nacht unser Kind versucht zu beruhigen, wenn es vor Schmerzen "Mama, Mama, Mama!" rief und schon bin ich in meiner ersten Einsatz-Ist-Doof-Will-Meinen-Mann-Zurück-Krise.
Dabei sollte es heute so schön werden. Meine erste "Belohnungsmassage" war heute geplant. Frau muss sich ja Ziele setzen und so habe ich mir an jedem Einsatzmonatsende einen Massagetermin geben lassen. Sozusagen mein kleiner Einsatzkalender, meine Belohnung fürs Tapfersein. Aber...
Ich lebe hier mit zwei kleinen Terroristen im Haus und Nr. 2 wurde pünktlich gestern krank - was immer eine mittelschwere Katastrophe fürs geregelte Familienleben ist und für den Knirps sowieso.
Heute geht es ihm schon besser, aber ich bin fertig.  Auf dem Weg zur Massage wurde das erste Mal seid dem Abschied das Auto zum Heulen missbraucht und die so schön geplante Belohnung konnte auch nicht mehr viel retten.
Es ist anstrengend, die Verantwortung allein tragen zu müssen. Es täte jetzt so verdammt gut, sich an seine Schulter zu kuscheln und einfach an Ort und Stelle einzuschlafen. Will meinen Fels zurück!

Montag, 26. September 2011

Ein Tag

von vielen. Einer der fast schnell vorbei war. Viel getan, kaum Zeit zum Grübeln. Ich habe es sogar geschafft mal "Nichts" zu denken - was für mich eigentlich eine Unmöglichkeit ist. Rasenmähen, stumpfes Rasenmähen. Vielleicht ist das für mein Hirn so etwas wie "weißes Rauschen". In einer kurzen, wachen Minute erkannte ich: "Ich denke an nichts." Bingo!
Aber in solcher Selbstvergessenheit passieren mir auch Dinge, die ich zum Wohlsein nicht wirklich brauche. Ich "vergaß", dass meine bessere Hälfte im Einsatz ist. Ich bog um die Hausecke, sah sein Auto, freute mich und erschrak, als ich mich erinnerte wo er war. Bekloppt, aber einen Augenblick muss ich über Garten, Kinder, Kegel tatsächlich alles vergessen haben. Mir wurde flau und ich ärgerte mich über mich selbst.
Nun sitze ich hier wieder, müde vom Tag und glücklich, dass er vorbei ist.
Wieder einer weniger.



Sonntag, 25. September 2011

Ein Wochenende

geschafft. Und da meinereins sich auch gerne selbstkasteit, weiß ich auch wie viele noch kommen werden...und der Gedanke daran verdirbt etwas die doch recht gute Stimmung.

Das Wochenende verging leichter, als ich vorher angenommen hatte. Eigentlich war alles wie immer. Freunde und Familie maßen sich ehrenvoll im Wettstreit mit der Familienbetreuungstelle. So kam keine Langeweile auf. Und nun ist das Ganze schon fast vorbei und ich hab es gar nicht gemerkt.

Vor einer Woche lag der Abschied noch vor uns. Der letzte Abend.

Es kommt mir heute schon so lange vor, so als wären es Wochen und nicht erst Tage. Andererseits ist alles noch so vertraut, so als würde er gleich zur Tür hereinkommen. Sachen von ihm liegen hier und da, Einkäufe, die wir zusammen gemacht haben, lege ich beim Frühstück auf dem Tisch. Seine Margarine liegt angebrochen im Kühlschrank, der Pudding, den er für die Kinder gekauft hat. Die schmutzige Wäsche, die ich immer noch nicht gewaschen habe.
Alles so wie immer und eben doch nicht.


Samstag, 24. September 2011

Gesehen II

Nun konnten auch unsere Kinder ihren Papa übers Netz sehen. Der Kleine guckte nur groß, konnte das mit dem Papa im Computer nicht so recht wechseln (besonders, als der auch noch zu reden begann...), der Große war sichtbar verblüfft und fragte immer wieder: "Kommst du bald wieder?"

Es war nicht wirklich ein Ereignis, welches sich zur Beruhigung zur Sandmännchenzeit eignete, aber es war schön und die 30 Minuten Wachzeitverlängerung wert. So konnte Papa seine beiden Jungs fast mit ins Bett bringen.

Der Kontakt hilft mir enorm, um mich mit dem Einsatz "anzufreunden". Die Tage laufen bisher recht geschmeidig dahin und die Traurigkeit, die ich vor Beginn des Einsatzes häufig empfand, ist nicht mehr so dominant. Ich habe auch nicht wirklich viel Zeit darüber nachzudenken - was sehr von Vorteil ist.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie "erwachsen" so ein Knirps in Momenten reagiert, in denen ich traurig bin und weine (hier war es das erste Abendessen ohne meinen Soldaten): "Bist du traurig, weil Papa nicht mehr da ist?" Ich nickte. "Du muss nicht traurig sein! Papa kommt doch immer wieder!" Na, denn...

Donnerstag, 22. September 2011

Gesehen

Großartig, wunderbar, unbeschreiblich...wir konnten skypen! Er kam mir so nah vor, als müsste ich mich nur ein wenig vorbeugen, um an ihm zu schnuppern...
Kann nun gut einschlafen, auch wenn ich wieder nur an seinem T-Shirt schnuppern kann.
Vielleicht reime ich mir das im Traum einfach zusammen...

Dämmern

So langsam dämmert es, dass er nicht nur auf Übung ist und nicht am Wochenende zur Tür herein kommt, aber ganz hell ist es noch nicht.

Die Tage um den Abschied herum konnte ich Musik nur schwer ertragen. Zu viel Gefühl, nehme ich an.
Nun habe ich die CD vom letzten Einsatz in seinem Auto gefunden. Ich hatte sie ihm gemacht, mit Musik, die zu meiner damaligen "Einsatzstimmung" passte und die gleichzeitig eine Art Liebesbrief an ihn war.

Ich hätte sie heute nicht hören sollen...

Sie passt aber noch immer.

traurig, melancholisch, einsam, ruhig, leise,
verliebt und zuversichtlich

Mittwoch, 21. September 2011

Papa wieder holen

Es gibt so Momente in denen der Verdrängungsmodus ganz unerwartet ausfällt. 
Wenn der Jüngste im Garten zu rennen beginnt und "Papa, Papa, Papa" ruft, weil der Nachbar mit einem (unserem sehr ähnlichen) Rasenmäher auftaucht. Durchatmen.
Wenn der Große morgens, in einer Klappkiste sitzend, Auto fahren spielt und sagt: "Ich fahr jetzt zur Bundeswehr hin und hol Papa wieder." Tief durchatmen.

Seit dem Abschied am Flughafen sitzt in jedem Flieger, den wir sehen Papa und immer wieder wird gefragt: "Wo ist Papa?"

Wird das so weitergehen? 
Oder werden die Kleinen irgendwann aufgeben zu fragen? 
Ihn nicht mehr vermissen? 
Sich damit abfinden, dass er nicht da ist? 

Ich finde gerade irgendwie alle Möglichkeiten traurig.

Aber sie werden sicher ihren Weg finden damit umzugehen...hoffe ich.

Ansonsten ist auch dieser Tag recht unspektakulär vorübergezogen. 
Zur Zeit genieße ich es - sofern der Verdrängungsmodus eingeschaltet ist - tatsächlich noch in Ruhe auf dem Sofa zu sitzen, mir das Fernsehprogramm allein auszusuchen und hier bis spät in die Nacht Unruhe verbreiten zu können.
Aber er ist ja auch erst 2 Tage weg...

Dienstag, 20. September 2011

Anschieben

Einen Tag geschafft. Er war okay, aber jetzt hier auf dem Sofa sitzend, habe ich den Wunsch ihn anzuschieben. Er soll schneller rumgehen, wie auch die restlichen Tage, die ich morgens in Form von Teebeuteln mit kochendem Wasser übergieße und abends mit der Schere vom Maßband schneide.
Über die kommenden Tage darf ich nicht wirklich nachdenken, die Anzahl erschreckt mich. Also wieder verdrängen, darin bin ich ja schon geübt...
Ansonsten funktioniert der Tag gut bis zum Abendessen.
Es hatte mich gestern überrascht, das gerade das so schwierig war. Ich fing einfach an zu weinen. Auch heute war das bisher der schlimmste Moment.
Ich kann nicht ertragen, seinen Platz frei zu lassen. Nun sitze ich dort, aber das ist fast genauso schlimm. Wir hatten die letzten Jahre das Glück, keine Wochenendehe führen zu müssen - er war abends meist hier. Eine schöne Gewohnheit.
Nun muss ich mich notgedrungen entwöhnen.

Tage zählen




Ganz egal wie man Tage zählt,
ob mit Bonbons,
Teebeuteln
oder Maßband...



am Anfang ist das irgendwie demoralisierend.

Montag, 19. September 2011

Und...


nun sitze ich hier allein. Die Kinder im Bett. Immer wieder die Frage "Wo ist Papa?" beantwortet und dabei versucht, selbst nicht daran zu denken.
Fast geschafft. Der Tag. Der Abschiedstag.

Gemeinsam durch die Nacht gefahren, am Flughafen geparkt, gewartet zwischen so vielen anderen Soldaten, die ebenfalls gehen und jemanden zurück lassen, der auf sie wartet.
Trotzdem sah ich irgendwie nur zu - es kam immer noch nicht bei mir an.
Erst die Durchsagen in der Halle holten mich in die Realität  "Es geht jetzt los. Er ist gleich weg."
Wir machten es kurz, gingen raus.
Er verabschiedete sich von den Kinder. Ich konnte kaum hinsehen, es tat weh das zu sehen.
Umarmung. Kuss. Weg.
Nicht umdrehen. Nicht hier weinen. Tief durchatmen.
Zum Auto gehen. Kinder einpacken.
Dann ging nichts mehr.

Die Fahrt tat gut. Niemand kümmert sich um eine heulende Frau im Auto. Die Kinder schliefen und ein paar hundert Kilometer reichten, um mich wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Komisches Gefühl nach Hause zu kommen.
Es tut fast weh, dass alles wie immer ist, dass nicht alles anders ist, weil er nicht da ist.
Er fehlt, aber das Haus nimmt keine Notiz davon. Der Garten ist wie immer. Sein Auto steht wie immer auf dem Hof. Alles wie gestern, als er noch hier war.


Nun

ist er weg.


Sonntag, 18. September 2011

Stunden

zählen und nichts ändern können. In den Momenten, in denen ich es zulasse, tut es schon jetzt so weh, dass ich Angst vor Morgen habe. Aber ich muss ständig daran denken, das Verdrängen funktioniert nicht mehr. Die Frequenz der Pseudo-Toilettengänge hat sich gesteigert - mir kommen einfach häufig die Tränen. Quote 3:7

Nicht dran denken.

Ich habe Angst vor Morgen.
Hinfahrt als Familie.
Abschied.
Rückfahrt.
Ohne ihn.


Samstag, 17. September 2011

Wasser

Jetzt wird es wirklich schwierig. Ganz nah am Wasser gebaut. Furchtbares Gefühl im Bauch.
Was macht man, wenn der einzige Mensch, bei dem man sich gerne ausheulen möchte, derjenige ist, den man damit nicht belasten will?

Bonbonglas





Das Bonbonglas ist fertig.

Es erschreckt mich.
Furchtbar viele Bonbons, furchtbar viele Tage.


Freitag, 16. September 2011

60 Stunden

Nur  nicht schlafen, denn dann ist wieder ein Tag vorbei. Schon wieder kann und mag ich nicht einschlafen. Mein Soldat schläft schon, aber ich liege hier und will nicht. Ich möchte nicht, dass ich die verbleibende Zeit mit ihm verschlafe. Ich möchte nicht diese Stille kurz bevor ich einschlafe, wenn die Gedanken sich drehen und ich langsam wieder begreife, dass er nächste Woche nicht mehr hier neben mir liegen wird. 
Rund 60 Stunden noch. Verdammt, wie wenig Zeit das ist.
Und ich liege hier und kann die Uhr nicht anhalten.

Leises Klingeln

Wir sind zusammen, die Sonne scheint. Wenn nur dieses leise, entfernte Klingeln nicht wäre, was mich ab und zu daran erinnert, dass es nach dem Wochenende los geht. Wie ein Telefon, das man leise gestellt hat, weil es gerade stört. Man hört es, will aber eigentlich nicht ran gehen. So meldet sich heute der Einsatz. Nur ganz leise, aber hartnäckig.
Der Tag war bisher wunderschön. Vielleicht weigere ich mich deshalb an Montag zu denken. Ich will einfach nicht! Ich will, das diese schönen gemeinsamen Tage ewig weiter gehen und nicht für die nächsten Monate die letzten sind.

Donnerstag, 15. September 2011

Ganz nah

Nach dem gestrigen Abend allein mit Mann und 1,5 Stunden Körper verbiegen heute früh beim Yoga sieht sie Welt schon wieder anders aus.
Ein bißchen euphorisch über die gute Stimmung hebe ich meine Quote wieder an auf vorsichtige 8:2.

Heute wurde eingekauft. Kleinigkeiten für eine Notfallkiste für unseren Großen besorgt, um die Bundeswehrdevotionalien zu strecken, die mein Soldat bereits für diesen Zweck herausgerückt hat. Bonbons fürs Glas, um die Tage zu zählen und vielleicht noch eine Kleinigkeit, die nicht auf dem Zettel steht.

Noch 3 Tage um an meinem Lieblingssoldaten zu schnuppern, ihn zu umarmen, mich beim ihm zu verstecken, seine Stimme zu hören, seinen Atem zu spüren, ihn zu küssen und um ihm ganz nah zu sein.

Mittwoch, 14. September 2011

6:4

Meine Quote verschlechtert sich. Heute war kein wirklich schöner Tag. Das Warten auf dem Abschied macht unsere "Kuscheltage" nicht so richtig kuschelig. Es ist verdammt schwer, nicht an die bevorstehende Trennung zu denken und die Augenblicke zu genießen.
Zum Ende des Tages wurde es allerdings versöhnlicher und wir sind zum letzten Mal vor Abflug Essen gegangen. Allein, ohne Kinder. Wunderbar. Wir haben geredet, gelacht und die Zeit genossen. Ich hätte nicht gedacht, dass uns das 4 Tage und ein paar Stunden vorher noch gelingen würde.
Apropos "das letzte Mal": Es ist schon komisch, auf was ich alles achte...Heute habe ich das letzte Mal für die nächsten Monate seine Uniform gewaschen, das letzte Mal sind wir gemeinsam Einkaufen gefahren.
Ich muss meinen Kopf immer wieder daran erinnern, nicht all zu pathetisch zu sein und nicht alles so furchtbar wichtig zu nehmen. Es sind  - wenn nichts dazwischen kommt - nur ein paar Monate. Es gibt Schlimmeres!!!
Dennoch denke ich in solchen Momenten so blöde Dinge.
Die Gedanken sind frei - und irren im Moment wild umher.

Dienstag, 13. September 2011

Kindgerecht

Zwei Versuche, unserem dreijährigen den Einsatz mit Hilfe von Büchern und Heften kindgerecht zu vermitteln sind fehl geschlagen.

Versuch Nr. 1 scheiterte wegen der recht geringen Aufmerksamkeitsspanne des Knirpses. Er konnte sich auf Karl, den Bärenreporter so gar nicht einlassen, trotz leicht abgewandelter freier Erzählung meinerseits. Für Sohnemann aber zu abstrakt und total uninteressant.
Versuch Nr. 2 scheiterte dann daran, dass Mutti beim freien, altersangemessenen Umdichten von "Mein Papa ist Soldat" anfing zu heulen. Sehr kindgerecht, Frau Mausohr! Bravo!


Nun wird der Papa das in die Hand nehmen und ich werde dazu Fotos ausdrucken, um ein eigenes Bilderbuch zu gestalten. Finde ich auch viel besser.

Allerdings, das muss ich hier sagen, sind die Materialien rund um "Karl, der Bärenreporter" wirklich schön gemacht und sehr ansprechend.
Sohnemann scheint dafür zur Zeit noch nicht in Stimmung zu sein. Er ist einfach noch zu klein oder es ist einfach noch nicht sein Thema. Vielleicht, wenn der Papa weg ist und die ersten Fragen nach seinem Verbleib kommen...

Übrigens habe ich mir gerade das britische Pendant zu "Mein Papa ist Soldat" bestellt: "Daddy is a Soldier". Ich dachte, die Briten müssten sich mit so etwas auskennen. Bin gespannt und werde berichten.

Montag, 12. September 2011

Wechselhaft

Wechselhaft ist wahrscheinlich am ehesten das Adjektiv, was meinen Zustand zur Zeit beschreibt. Im Allgemeinen geht es gut, aber die Einbrüche, die Löcher kommen plötzlich und unerwartet und meist ist ein Ausweichen dann nicht möglich. Die Augen werden feucht, kurz weggucken, tief durchatmen oder eben mal aus dem Zimmer gehen. Zugegeben passiert das noch recht selten (erstaunlich eigentlich), aber doch merklich häufiger als noch letzte Woche.

Gerade haben wir gemeinsam seine Kiste ins Auto geladen. Komisches Gefühl, so als würde ich meinem  Elend auch noch Beihilfe leisten. Hat eigentlich schon mal jemand von Seiten der Bundeswehr an Einsatzmedaillen für Angehörige gedacht? Für das Mit- und Ertragen? Interessanter Gedanke...

Am schlimmsten ist es kurz vor dem Einschlafen, wenn der Lärm der Kinder und des Alltags langsam leiser wird und ich mit meinen Gedanken allein bin. Dann kommt die Angst vor der Trennung und dem Alleinsein, dann kommen die Tränen. Diese zurückzuhalten, um meinen Soldaten nicht zu sehr zu belasten, ist furchtbar und fällt zunehmend schwer. Wie ein großer Felsbrocken auf meiner Brust oder ein Korsett, viel zu eng, sodass das Atmen schwer fällt.

Dennoch liegt meine Quote weiter bei 8:2, wobei aber die oben erwähnten Löcher deutlich tiefer werden.

Sonntag, 11. September 2011

Kiste packen

Heute wurde der Einsatz noch einmal eine Spur konkreter: Die Kiste wurde gepackt. Zuerst war alles gut, wir haben gelacht, ich habe die Kinder davon abgehalten, alles wieder auszupacken (was ich auch gerne gemacht hätte) und mir das Ganze angesehen. Im Laufe des Tages merkte ich aber, wie sehr mir dieser weitere Schritt Richtung Abschied doch zugesetzt hat.
Schlechte Laune, gereizt, traurig und der erste Pseudo-Toilettengang, weil ich die Tränen nicht zurückhalten konnte.

Dabei hatte das Wochenende so gut angefangen mit einem gelungenen Tag, viel Sonne und meiner Zuversicht, dass alles dann doch nicht so schlimm kommen würde. Dieses Mal würde ich den Abschied ganz locker hinkriegen und eifrig, froh und tapfer die Tage zählen bis zum Wiedersehen. Nun gut, ganz so einfach, das wusste ich, würde es nicht werden. Es wäre so schön, wenn es so wäre...
Dennoch liegt meine Quote im Moment immer noch bei 8:2. 80 Prozent des Tages sind wirklich schön und wir genießen die Zeit als Familie. 20 Prozent sind hässlich. Ich finde, das ist ein guter Schnitt für knapp 7 Tage vor Abschied.



Freitag, 9. September 2011

Wehmütig

Das komisch, dumpfe Gefühl ist den ganzen Tag geblieben. Es sitzt mir im Nacken, trotzdem es ein wirklich schöner Tag war. Viel gelacht mit lieben Menschen. Aber wenige Momente, in denen ich nicht an den Einsatz denken musste.
Am schlimmsten sind die gemeinsamen Momente mit den Kindern. Momente mit "Mama, Papa, Kind" machen mich fast ein bißchen traurig und wehmütig. Nicht alle, aber es gibt Situationen, die mir einen richtigen Schlag versetzen.
Die Zeit rennt jetzt so furchtbar schnell. Wochenende, dann Dienst, dann wenige Tage Urlaub, Wochenende, weg.
Ich habe das Gefühl noch unglaublich viel erledigen zu müssen, ihm sagen zu müssen, es aber nicht zu schaffen bis zu seinem Abflug.

Ungemütlich

Nun wird es doch ungemütlich. Mit dumpfem Gefühl im Magen wate ich durch Watte und möchte mich eigentlich nur verkriechen. Vielleicht ist es jetzt tatsächlich bei mir angekommen, verdrängen funktioniert nicht mehr.

Termine machen beim Kindergarten: Laternelaufen, Nikolaus, Weihnachten - Allein, ohne ihn.
Eine liebe Ansage von einer Freundin: "Ich bin für dich da." - Er wird nicht hier sein, allein.

Nach zwei Tagen des Überlegens, wie die Fahrt zum Flugplatz zu organisieren sei, hat es dann wohl endgültig "klick" gemacht. Ich bring ihn hin, ich werde mit ihm warten, wir werden uns verabschieden und dann... allein.
Die Fahrt nach Hause schaffen. Wahrscheinlich allein, ohne Kinder. Besser, aber andererseits wünsche ich mir fast sie dabei zu haben, weil es mir dann besser gelingt, mich zusammen zu reißen.

Im Moment macht mir alles langsam Angst und ich wünschte, ich könnte davonlaufen. Aber ich versuche mich zusammen zu reißen, weil ich weiß, dass es niemandem hilft, wenn ich jetzt im Elend bade.
Jeden Augenblick genießen...
Nicht so einfach, im Moment.

Donnerstag, 8. September 2011

X minus 10 Tage

10 Tage sind es noch, dann ist er weg. Es kommt mir noch immer so unwirklich vor, dass ich mich jedes Mal erschrecke, wenn ich wieder damit konfrontiert werde. 
Ob das ein Trick meines Unterbewusstseins ist, damit ich nicht ständig sondern nur manchmal Amok laufe?
Mir geht es gut im Moment, eigentlich ist fast alles wie immer. Selbst Themen wie Testament, Patientenverfügung, Vollmachten bringen mich nicht so recht aus dem Gleichgewicht - was sie vor ein paar Monaten noch geschafft haben. 
Vielleicht ist es das Beschäftigtsein, das hilft. Besser gemeinsam ein Testament schreiben, als an den Tag X denken? 
Dennoch eine komische Stimmung, die ich von mir so nicht kenne. Ich weine nicht, habe nicht das Bedürfnis zu schreien, kaum Panik, kaum Angst. Ich gucke nur zu.

Mittwoch, 7. September 2011

Planung

steht. Flugplatz, Datum, Uhrzeit. Kurzes Durchatmen jedes Mal, wenn wieder ein Fakt hinzukommt: 10.00 Uhr, da und da? Kein Problem, alles klar... aber es macht alles noch konkreter. Kein Traum, keine Änderung, kein Aufschub. Nein, es geht los. Kurze Beklemmung, einmal tief durchatmen, weiter machen.

Montag, 5. September 2011

Trübsinnen

Wieder ein Wochenende, ein Tag weniger. Die Zeit schrumpft so schnell und wir kommen doch nur selten dazu, sie gemeinsam, zweisam zu genießen.
Ich merke, dass meine hoch gehaltene Laune immer öfter einbricht. Ich ertappe mich beim Starren, Abschweifen und Trübsinnen. Ich versuche mich immer schnell zurück in die Gegenwart zu holen und den Moment zu genießen. Nur nicht zu sehr an den Abschied und die folgenden Monate denken...
Dann folgen wieder Phasen in denen ich ganz pragmatisch überlege, was wir noch alles erledigen müssen. In meinem Kopf erstelle ich Listen, was ich noch machen muss, an was ich während seiner Abwesenheit denken muss, was ich unbedingt jetzt noch erledigen und was er unbedingt noch tun muss. Reifenwechsel, Inspektion, Reparaturen am Haus, Termine, Versicherungen, Bank, Post, alles erneut durchgehen.
Wie erzählen wir es den Kinder? Was sollen wir sagen? Papa muss länger weg, er fährt weg, muss arbeiten, muss bei der Bundeswehr bleiben?
Dennoch gelingt es ganz gut, die Zeit noch zu genießen. Wir rücken näher zusammen und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Samstag, 3. September 2011

Durchgesickert

Langsam sickert die Tatsache zu mir durch. Einsatz. Getrennt sein. Frau ohne Mann. Kinder ohne Vater. Allein. Monate, die wir nicht miteinander teilen werden können. Verpasste Zeit.

Hier allein, fällt es mir besonders auf. Mein gelegentlicher Wunschzustand - mal allein sein -  macht mir im Moment Angst. So wird es die nächsten Monate sein...und er wird nicht nach ein paar Stunden um die Ecke biegen und dich in den Arm nehmen oder dich mit irgendwelchem Blödsinn aufziehen. Alles in mir sagt, ich will das nicht, aber ich bin wie ein hypnotisiertes Kaninchen, das nichts tun kann gegen das was ihm geschieht.
Wie schwer es mir fällt, einfach zu ertragen!
Manchmal denke ich, ich würde lieber mit ihm tauschen. Wie wäre es ihn hier zurückzulassen?  Weg. Ablenken durch Arbeit, Angst und Alltag im Einsatz. Kein wirklich guter Tausch, aber lieber viel um die Ohren als hier zu viel Zeit zum Nachdenken?
So denke ich selten, aber ich frage mich trotzdem: Was ist leichter zu ertragen, gehen oder bleiben, verlassen oder verlassen werden?

...zu viel Zeit zum Denken...
...ganz schlecht!

Ich genieße jetzt besser die verbleibende Zeit zu viert. Und die Sonne. Endlich.

Nun also doch, aber anders

Nun geht es also tatsächlich los. Gestern kam die Nachricht. Zwei Wochen noch, dann wird er für Monate weg sein.
Erstmal Stille. Nach so langer Voreinsatzzeit fehlten mir ein wenig die Gefühle. Eigentlich war nur Leere da und auch heute ist die Tatsache, dass ich hier bald allein sitze, noch nicht recht bei mir angekommen. Ich hatte erwartet, dass es mich wieder einmal umhauen würde; dass ich erstmal versuchen müsste, damit klar zu kommen.
Im Moment ist da aber nichts. Gar nichts. Vielleicht bin ich es einfach leid zu warten auf etwas von dem ich weiß, dass es irgendwann sowieso kommen musste? Oder warten mein Herz und Hirn noch auf die nächste Planänderung?
Vielleicht ist es auch die Tatsache, dass es anders ist als geplant und ich mich deswegen eigentlich ein wenig freuen sollte, trotzdem er nun Weihnachten nicht mit uns feiern wird.
Worüber soll man sich freuen, wenn man nur zwischen Pest und Cholera wählen kann?
Nein, ich freue mich nicht.

Montag, 22. August 2011

Gesellschaft

swillig, wieder.
Nach der Einsamkeitssehnsucht des Wochenendes bin ich nun wieder gesellschaftswillig und -fähig. Ein Tag außer Haus ohne kleine Terroristen hats möglich gemacht. Ein bißchen Kaufsucht befriedigen war dabei auch recht hilfreich.
In Sachen Fernverwendung ist immer noch nichts raus, geschweige denn sicher. Also warten. Ist bei Sonnenschein aber gleich viel leichter.

Sonntag, 21. August 2011

Alleinsein

Kann man das Alleinsein vermissen? Im Angesicht eines Einsatzes kommt mir das ziemlich bescheuert vor, aber heute ging es mir so. Nur mal ein paar Stunden ganz alleine sein. Einfach nur das machen, was man selbst will und das auch zu Ende machen dürfen.
Ohne Kinder davon abhalten zu müssen, ihre eigene Mutter in den Wahnsinn zu treiben.

Einfach mal Stille. Ruhe. Nichts.
Wäre so schön.

Jetzt schlafen sie.
Das ist ein Anfang.




Freitag, 19. August 2011

Damals

In letzter Zeit muss ich häufig an meine Oma denken. Wie hat meine Großmutter die Kriegszeit erlebt und überstanden? Wie hat sie ertragen, ihren Mann gehen zu lassen mit dem Wissen, dass er vielleicht nicht wieder kommt?
Mein Großvater, 16. Panzerdivision, Artillerieregiment 16. Zunächst bei Stonne, dann mit seiner Einheit im Osten, Russland, Stalingrad. Mein Großvater hatte das Glück am Donbogen verwundet zu werden, sein kleiner Bruder nahm darauf seinen Platz ein, sie waren im selben Regiment. Er ging nach Stalingrad. Gefangenschaft. Tod.
Mein Großvater lernte während dessen meine Großmutter im Lazarett in Breslau kennen. Sie heirateten, 2 Kinder kamen noch während des Krieges zur Welt. Flucht aus Breslau Richtung Westen, dann in Hof in Bayern endlich ein Wiedersehen. Der Krieg aus, Neuanfang und Rückkehr in die Gegend von Bünde.
Und meine Urgroßmutter: Wie erträgt man es, seine beiden Söhne und seinen Mann in den Krieg gehen zu sehen? Wie kann man das Warten ertragen? Wie hat meine Uroma das ertragen? Sie hat es nie verwunden, dass ihr jüngster Sohn in Stalingrad blieb. Kann eine Mutter das überhaupt?
Meine eigenen Ängste kommen mir vor diesem Hintergrund ganz lächerlich vor.

Ist es tatsächlich damals einfacher gewesen, weil alle Frauen auch Soldatenfrauen oder Soldatenmütter  waren? Weil jede dasselbe durchmachte?
Oder haben sich alle nur zusammengerissen, um zu funktionieren, um sich keine Blöße zu geben? Hat man sich früher nicht so wichtig genommen mit seinen persönlichen Nöten und sah alles viel pragmatischer? Macht Krieg das?
Vielleicht von allem etwas...

Ich werde meine Oma einmal fragen.

Mittwoch, 17. August 2011

Nichts Neues

Noch immer nichts Neues. Weiter warten. Es soll endlich aufhören. Ich will endlich "Ja" oder "Nein" hören. Will ein Datum, will heulen, schreien, flehen, Abschied nehmen und die Tage zählen. Ich mag nicht mehr an Einsatz denken müssen, will endlich abschließen, jedenfalls für dieses Mal. Ich will ein Ende und wieder doch nicht. Denn noch ist er hier bei mir und ich tue alles - nur nicht wünschen, dass er geht.

Donnerstag, 11. August 2011

Warteschleife

Noch immer nichts Neues in Sachen seines Einsatzes.
Mein Einsatz läuft jetzt bereits 7 Monate. Monate in denen ich anfangs versucht habe all das zu ignorieren, dann in eine Phase der Informationssucht geraten bin, um dann mit der Situation - bis auf einige Panikanfälle - einigermaßen ruhig (wie ich finde) umzugehen. Aber es schlaucht, es macht mürbe so lange Zeit zu wissen, aber nicht zu wissen wann.
Der erste Einsatz war anders. Ich habe rebelliert. Gegen Einsatz, gegen Bundeswehr, gegen die Politik - eigentlich gegen alles, was damit zu tun hatte, dass er nicht bei mir bleiben sollte. Und ich habe gelitten wie ein Hund, besonders bevor der Einsatz überhaupt los ging. Ich wollte nicht von der Bundeswehr betreut werden, das Forum konnte mir auch nicht helfen - niemand konnte verhindert, dass er ging, also war das keine Hilfe. Für mich. Während seines Einsatzes ging es dann etwas besser. Tägliche Postkarten, Briefe, häufige Telefonate und Nachrichten haben geholfen, mich abzulenken und ihm zu vergewissern, dass ich da war und da sein werde.
Letzteres habe ich aber erst im nachhinein begriffen, ebenso wie den Umstand, dass ich uns die gemeinsame Zeit fast unerträglich gemacht habe. Wir hätte lachen, singen und tanzen sollen in der Zeit in der wir uns hatten!

Genau das versuche ich jetzt und es gelingt. Ich rebelliere nicht mehr, kann es nicht ändern, so sehr ich es auch wollte. Ich liebe ihn so wie er ist, meinen Lieblingssoldaten! Und ich mag die Bundeswehr und fast alles was dazu gehört.
Wir genießen die Tage, die wir haben und im Moment sind das unerhört glückliche.